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Schmetterlingsregen

Christian Mörsch
978-3-939475-53-8
Buch: Softcover, 9,80
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E-Book: EPUB 4,99 €
Kindle-Edition

978-3-86332-206-9
Hörbuch: MP3
140 Minuten
Amazon/Audible

Märchen, die glücklich machen

Vorsicht! In jedem Märchen verbirgt sich ein Tröpfchen Glück. Bereits eine Geschichte vor dem Schlafen gehen verführt dazu, dem Alltagstrott des nächsten Morgens mit einem Lächeln zu begegnen.

Die Märchen sind miteinander verwoben durch die kleinen und großen Geheimnisse des Glücks.

Die Suche nach dem Wertvollsten der Welt

Die Sonne stand glutrot über den Sanddünen der Wüste Nagebh, als Khalim erwachte. Endlich war er seinem Ziel so nah wie nie zuvor! In der ganzen Welt hatte er gesucht, hatte undurchdringliche Wälder durchquert, die höchsten Berge erklommen und die größten Meere besegelt. Überall war er gewesen – außer in der Wüste. Hier musste es sein!
Der grauhaarige Mann rollte seine Decke zusammen und wanderte der aufgehenden Sonne entgegen. Während seine Füße eine einsame Spur im Sand hinterließen, kletterte die Sonne unaufhaltsam am Himmel empor.

Um die Mittagszeit kam Khalim zu einer winzigen Oase. Drei Palmen scharten sich um eine Lehmhütte, vor der ein uralter Mann saß. Er trug die Kleidung eines Karawanenführers, doch weit und breit war kein einziges Kamel zu sehen.
„Sie sind ohne mich weitergezogen“, sagte Samaran fröhlich. „Darf ich Euch einladen, mein kleines Paradies mit mir zu teilen, bis die Sonne den Zenit überschritten hat?“
Khalim nickte dankbar und wischte sich mit dem Ärmel die Schweißtropfen von der Stirn.
„Woher kommt Ihr?“, fragte Samaran und betrachtete neugierig die blasse Gesichtsfarbe seines Gastes.
„Aus dem Norden. – Doch das ist lange her …“
„Erzählt mir von Eurer Reise!“, bat Samaran und schöpfte aus dem neben der Hütte gelegenen Brunnen einen Krug Wasser.
Khalim trank in gierigen Schlücken und begann zu erzählen. Samaran lauschte gebannt den Worten des Fremden und wagte nicht, ihn zu unterbrechen.
„Und was hofft Ihr hier zu finden?“, fragte Samaran, als Khalim geendet hatte.
„Das Wertvollste der Welt!“, entgegnete er.
„Dann seid Ihr am Ziel!“, sagte Samaran.
„Was … aber …“, stotterte Khalim erregt.
Samaran zeigte auf den Brunnen. „Das Wertvollste der Welt ist das Wasser!“
Khalim versuchte, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Er war auf Flüssen gefahren so breit wie hundert Kamele und hatte aus Seen getrunken so groß wie eine Stadt. Er schüttelte den Kopf. Nein, es musste etwas geben, das noch wertvoller war als Wasser.
„Ihr glaubt mir nicht“, schmunzelte Samaran.
„Ich weiß nicht …“, nickte er.
Khalim bemerkte, dass die Sonne an Kraft verloren hatte und ein kühler Wind aufgekommen war. Er nahm Samaran zum Abschied in den Arm. Dann zog er weiter. …