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Das Auge des Mondsees

Christian Mörsch
978-3-86332-150-5
E-Book: EPUB 4,99 €

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Hörbuch: MP3
Spieldauer: 1 Stunde und 52 Minuten

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Märchen, die Flügel verleihen

Sie möchten wissen, was sich mit der Jahrtausendwende wirklich geändert hat?
Sie möchten wissen, was die sauren Zitronen träumen?
Sie möchten wissen, wie aus Feinden Freunde werden?
Oder warum die Menschen Kriege führen?
Sie möchten wissen, was das Leben mit einem Schachspiel zu tun hat?
Oder wo die Blume der Liebe wächst?

Lassen Sie sich verzaubern – von einem kleinen Meer, das die Jahrtausend-wende erlebt, von den süßen Träumen der sauren Zitronen, von Peter Purzel, von einem Farn namens Tupf, von Gordo und den Spielfiguren, die ihn für einen der Ihren halten, von einem alten Bär, der eine Geschichte erzählt, die Sie nicht wieder vergessen werden, und von den sechs weiteren nachdenklich – heiteren Märchen, die dem Leben Flügel verleihen.

Das Auge des Mondsees

Es war einmal ein kleines Meer. Das gab es erst seit einhundert Jahren. Für ein Meer war das nicht viel, und genau das war der Grund, warum es noch so klein war. Doch mit jedem Jahr wurde es größer und größer.
In dem Meer lebten einst vier Seepferdchen. Sie waren bekannt für ihre Gesprächigkeit und redeten, schwatzten, tuschelten oder lästerten, wann immer sie ihr Maul aufsperrten – und das taten sie oft. Am liebsten redeten sie über die köstlichsten Algenarten, die fröhlichen Muscheln, die Boshaftigkeit der Raubfische und die Heldentaten ihrer Väter, und das Meer hörte ihnen zu.
Eines Tages aber redeten sie über das neue Jahrtausend.
“Was ist das – ein neues Jahrtausend?”, wollte das kleine Meer wissen.
“Alles wird schlechter – und schwerer”, sagte das erste Seepferdchen.
“Schlimmer – schlimmer noch!”, rief das zweite. “Die Welt wird zugrunde gehen. Unsere Tage sind gezählt.”
“Im Gegenteil, im Gegenteil”, widersprach das dritte Seepferdchen. “Alles wird besser – und leichter.”
“Eines ist sicher”, sagte das vierte Seepferdchen. “Alles wird anders. Und darauf sollten wir uns vorbereiten.”

Also überlegte das kleine Meer, was sich wohl verändern würde, wenn das neue Jahrtausend kam. Ob die fröhlichen Muscheln traurig wurden und die Raubfische liebenswert und höflich? Ob der Seewolf zum Algenfresser wurde? Ob die Meerkatze nach Mäusen jagte oder gar die schweigsame Seezunge das Reden lernte?
Was aber, wenn das erste Seepferdchen recht hatte und alles schlechter wurde oder – die Welt gar untergehen würde?

Mit einer unbestimmten Mischung von Vorfreude, Angst und Wehmut schlief das kleine Meer am Abend vor dem neuen Jahrtausend ein.

Als es am nächsten Morgen erwachte, schien die Sonne hell vom Himmel. – Aber noch immer fraßen die Seewölfe keine Algen, noch immer jagten die Meerkatzen keine Mäuse, und die Seezungen schwiegen beharrlich.
Es schien gar, als hätte sich nichts verändert.

Doch wie in jedem Jahr war das kleine Meer ein Stück gewachsen. Bald endlich würde es ein großes Meer sein, dachte es voller Stolz.
Da sah das Meer die vier Seepferdchen wieder, die ihm von dem neuen Jahrtausend erzählt hatten. Sie redeten über die köstlichsten Algenarten, die fröhlichen Muscheln, die Boshaftigkeit der Raubfische und die Heldentaten ihrer Väter, und das Meer hörte ihnen zu.

Als es dunkel wurde, schauten die Sterne auf die Welt hinab, so wie sie es schon seit vielen tausend Jahren taten.

– Ein Märchen aus: “Das Auge des Mondsees”